Zurück in Indien – Fünf inspirierende Tage in Jodhpur

Nach Wochen der Planung aus der Ferne bin ich endlich wieder in Indien – fünf intensive, farbenfrohe und inspirierende Tage in Jodhpur liegen hinter mir.

Mein Terminkalender ist hier wie immer gut gefüllt: Frühmorgens geht es in die Werkstätten, um den Fortschritt unserer Sonderanfertigungen zu prüfen, Oberflächen auszuwählen und die Qualitätskontrolle durchzuführen. Welche Möbel sind bereit für den nächsten Container? Welche maßgefertigten Projekte benötigen noch kleine Anpassungen? Mit Notizblock in der Hand geht es von einer Werkstatt zur nächsten – und trotzdem fühlt sich kein Tag wie Routine an.

Denn zwischen all den Terminen wartet Jodhpur.

Die Stadt pulsiert vor Leben. Ich schlendere durch die engen Gassen, in denen Handwerker Massivholz noch mit traditionellen Werkzeugen bearbeiten, halte an kleinen Chai-Ständen und beobachte die Mangoverkäufer, deren leuchtend orangefarbene Früchte einen wunderschönen Kontrast zu den berühmten blauen Häusern der Altstadt bilden. Überall liegt der Duft des Sommers in der Luft.

An einem Morgen habe ich einen kleinen Umweg gemacht, um eine Werkstatt zu besuchen, die handgefertigte Dekoration aus Pappmaché herstellt – ein traditionelles Handwerk, das in vielen Regionen Indiens langsam verschwindet. Die Werkstatt liegt versteckt in einer ruhigen Seitenstraße. Drinnen riecht es nach Leim, Ton und altem Zeitungspapier. Mit großer Geduld entstehen hier Schalen und Vasen Schicht für Schicht. Jedes Stück wird von Hand geformt, geschliffen und anschließend kunstvoll bemalt. Die Arbeit ist zeitaufwendig und beinahe meditativ – das Ergebnis dagegen leicht, farbenfroh und voller Persönlichkeit.

Genau deshalb liebe ich diese Reisen. Es geht nicht nur um Möbel aus Holz, sondern auch darum, traditionelle Handwerkskünste kennenzulernen, Kunsthandwerker zu unterstützen und gemeinsam Wege zu finden, dieses Wissen und diese Geschichten respektvoll in unsere Kollektionen einfließen zu lassen.

Und dann wird mir wieder bewusst: Die Mangosaison ist in vollem Gange. Überall stapeln sich die Früchte – auf Märkten, Lastwagen und kleinen Straßenständen. Was viele jedoch nicht wissen: Derselbe Baum, der diese beliebten Früchte trägt, liefert uns auch eines unserer wichtigsten Materialien.

Mangobäume tragen etwa sieben bis zehn Jahre lang Früchte. Danach nimmt ihr Ertrag deutlich ab. In Indien, wo jedes Jahr mehr als 66 Milliarden Mangos konsumiert werden, fallen dadurch enorme Mengen an Mangoholz an. Anstatt verbrannt zu werden, erhält dieses Holz ein zweites Leben und wird zu hochwertigen Möbeln verarbeitet. Mangoholz ist nachhaltig, langlebig und überzeugt durch seine lebendige Maserung und seinen warmen Charakter – Eigenschaften, die wir an diesem Material besonders schätzen.

Wenn ich durch die Werkstätten gehe, mit der Hand über frisch geschliffene Oberflächen streiche oder den letzten Feinschliff an einem handgeschnitzten Bettkopfteil freigebe, wird mir jedes Mal aufs Neue bewusst, warum ich immer wieder nach Indien zurückkehre.

Wegen der Menschen. Wegen der außergewöhnlichen Handwerkskunst. Und – zugegeben – auch wegen der Mangos.

Jenny Thiele